Trotz allem in der Kirche bleiben

Zum Artikel von Christoph Kiefer „Darum bleibe ich trotz allem in der Kirche“ (NWZ vom 5.2.2022)
Oft fordern mich die politischen Kommentare von Christopher Kiefer zum Widerspruch heraus. Sein Bekenntnis „trotz alledem“ zur katholischen Glaubensgemeinschaft aber spricht mir tief aus dem Herzen. Kiefer drückt aus, was wohl viele Gläubige spüren, aber nicht leicht in Worte fassen können, wenn sie wegen ihrer Kirchenzugehörigkeit auf Beschimpfung oder – eigentlich noch schlimmer – auf Gleichgültigkeit stoßen: dass sie etwas an ihrer Christlichkeit festhalten lässt, was über sie selbst hinausgeht.
Als Aktivist der Katholischen Arbeitnehmerbewegung (KAB) möchte ich den von Kiefer aufgegriffenen wesentlichen Punkten einen Aspekt hinzufügen: die politische Dimension des Glaubens, die nicht im klassischen Rechts-Links-Schema aufgeht oder konkrete Handlungsanweisungen etwa für Kommunalpolitik vorgibt, aber Orientierung in wesentlichen Menschheitsfragen anbietet: durch das Ja zum Leben, zu gleichen Würde aller Menschen und der Schöpfung. Das führt zu unbequemen Steinen des Anstoßes in Debatten etwa über die tötende Gewalt unseres Wirtschaftens – aber auch zur Notwendigkeit der Korrektur eigener geschichtlicher Verwerfungen wie der Diskriminierung sexueller Minderheiten, die mit dem Glauben an eine liebenden Schöpfer nicht wirklich zusammenzubringen ist.
Ein weiterer Aspekt, der das katholische Christentum sowohl mit den anderen christlichen Konfessionen als auch den monotheistischen Weltreligionen verbindet: die Perspektive über den Tod des Einzelnen und die Endlichkeit der Menschheit hinaus. Die daraus wachsende Hoffnung auf Ewigkeit führt nicht zu passiver Jenseitsvertröstung, sondern motiviert im Gegenteil zum Engagement für den Nächsten und für die Gesellschaft – weil nichts von dem verlorengeht, was Menschen in ihrem Leben voneinander an Gutem erfahren.
Jonas Christopher Höpken
Mitglied im Diözesanvorstand der KAB im Bistum Münster
Pressewart der KAB Oldenburg Stadt