Leserbrief an die Publik Forum zu Isaac Munther

Leserbrief zum Artikel von Isaac Munther “Land ist Auftrag, nicht Eigentum” (Publik Forum 03/2021)
Isaac Munther gibt vor, im vermeintlichen Gegensatz zum Judentum einen universalistischen Ansatz zu vertreten. Doch dann referiert er unverblümt die klassische antijüdische Enterbungstheorie, die die katholische Kirche seit dem Zweiten Vatikanischen Ziel hinter sich gelassen hat und die seit der Rede des heiligen Papstes Johannes Paul II. vom “nie gekündigten Bund” Gottes mit seinem Volk Israel endgültig überwunden zu sein schien:
Nachdem Munther den Juden vorwirft, die Religion zur Rechtfertigung von Gewaltakten zu missbrauchen, besitzt er die Chuzpe, der christlich-palästinensischen Kirche “eine territoriale Dimension” sowie ein “natürliches und ungebrochenes Verhältnis zum biblischen Land” zuzuschreiben. Was Juden nicht dürfen, sich auf eine territoriale Heimat zu beziehen,  dürfen Palästinenser also sehr wohl?
Nachdem Munther dann unter Berufung auf das Erste Testament, die jüdische Bibel darlegt, dass die Juden wegen “Götzendienst” und der “Sünde der sozioökonomischen Ungerechtigkeit” ihr Land immer wieder verloren hätten, enteignet er kurz danach das Judentum von genau diesen  biblischen Schriften, da “die alttestamentliche Erzählung schon die ganze Zeit” nur auf Jesus zulaufe; damit ist das nachjesuanische Judentum komplett delegitimiert.
Diese reaktionäre Theologie gipfelt dann in der mich fröstelnd machenden Aussage, es gäbe “in Bezug auf das Land nur eine Schlussfolgerung: Jesus erbt das Land!” Nicht nur, dass das Territorium also nicht den Juden zusteht. Es gehört sogar m Gegenteil den Christen! Danach wieder von “Universalisierung” zu faseln, ist nur noch zynisch.
Als scheinbares Entgegenkommen schreibt Munther dann: “Juden und Nichtjuden sind gleichermaßen Erben der Verheißungen, die Gott Abraham gab.” Dies bezieht er aber ausdrücklich auf “die Kirche im paulinischen Sinn, die aus Juden und Heiden besteht”, also keinesfalls auf die heutigen Juden, sondern im Gegenteil nur auf den kleinen Teil des historischen Judentums, der die christliche Kirche gegründet und diese dann für Nichtjuden geöffnet hat. Diese Kirche “erbt die Geschichte Israels.” Da bleibt einem wirklich die Spucke weg: Die Geschichte Israels gehört also der christlichen Kirche; das heutige Judentum hat gar kein Recht, sich auf diese Geschichte zu beziehen.
Bei aller Wertschätzung theologischer Vielfalt: Dass die Publik Forum einen solch vorkonziliaren und zutiefst antijüdischen Artikel veröffentlicht, erschrickt mich sehr. Abgesehen von dem schrecklichen Gottesbild, das sich dahinter verbirgt: Ein Gott, der mit seinem Volk erst einen Bund schließt und diesen dann zugunsten des Christentums aufkündigt. Mit dem in der Bibel bezeugten treuen Gott hat dies nichts zu tun.
Jonas Christopher Höpken