Informationstafeln für neue Straßen und für problematische Straßennamen in Oldenburg nötig!

Informationstafeln für neue Straßen und für problematische Straßennamen in Oldenburg!
Der Rat der Stadt Oldenburg hat am 28. Juni 2021 eine erfreuliche Reihe von Straßenumbenennungen vorgenommen:

 Nelson-Mandela-Ring: Der Vorschlag kam von der CDU. Dazu muss man sagen, dass CDU und CSU in diesem Punkt nicht immer so klar waren. Insbesondere Franz Josef Strauß, aber auch Leute wie Alfred Dregger, hatten über lange Zeit Sympathie mit dem Apartheid-Regime in Südafrika und haben sich nicht solidarisch mit Nelson Mandela erklärt; um so besser, dass sie diesen rechten Rand abgetreten haben. Nelson Mandela, der Jahrzehnte im Gefängnis ausgehalten hat, um dann Südafrika friedlich in die Demokratie zu führen: Das war eine ungeheure Leistung.

 Anna.Seghers-Straße: Sie war jüdische Schriftstellerin, Mitglied der KPD, deren Bücher in Deutschland verboten und verbrannt wurden, die in Gestapo-Haft war, dann ins Exils flüchten konnte, in Paris den Schutzverband deutscher Schriftsteller mitgegründet hat, dann von Mexiko aus antifaschistische Arbeit machte und gegen die nationalsozialistische Herrschaft in ihrer Heimat agitierte.

Anna Schwarz-Straße: Sie hat in Oldenburg Kinder von den Nazis versteckt, bevor sie selbst deportiert wurde. Ihr Enkelsohn C. Schwarz setzt  sich heute in Oldenburg nicht nur für die Rechte von Sinti und Roma, sondern insgesamt für Integration, Freiheit und Demokratie ein.

Clara Grunewald-Straße: Sie war  jüdische Montessori-Pädagogin, die nach ihrer Entlassung aus dem Schuldienst wegen ihrer jüdischen Herkunft in den Untergrund ging und sich dort zusammen mit den Quäkern für die Rettung von Juden engagierte, indem sie ihnen bei der Ausreise half, bevor die Nazis sie selbst in das KZ Ausschwitz-Birkenau deportierten und ermordet wurde.
Rosa-Lazarus-Straße: Sie hat als Jüdin den Nationalsozialismus dank des mutigen Handelns des Groninger Theologen Binne Roorda überlebt und steht damit für viele Überlebende der Nazi-Zeit, die mit dem Verlust ihrer Familie und Freunde leben mussten. Herrn Al Zahedi von Werkstattfilm ist dafür zu danken, dass er ihre Geschichte recherchiert und aufgearbeitet hat.
Ruth de Jonge-Straße:  In diesem Falle hatten insbesondere wir als DIE LINKE schon im Februar 2012 dafür eingesetzt, eine Straße nach ihr zu benennen. Sie war eine jüdische Widerstandskämpferin, die mit ihrer Familie Mitte der 30er Jahre in Oldenburg lebte. Ihr Vater wurde von Oldenburg aus in das KZ-Sachsenhausen eingeliefert, Nach seiner KZ-Haft emigrierte die Familie in die Niederlande. Nachdem die deutsche Wehrmacht, darunter auch Oldenburger Einheiten, dort eingefallen war, musste die Familie de Jonge in den Untergrund gehen. Ruth de Jonge engagierte sich in vielfältigen Aktivitäten des antifaschistischen Widerstands, unter anderem half sie bei der Rettung zahlreicher jüdischer Kinder.
Sinnvoll wäre es, im Zuge der Straßenbenennung auf Informationstafeln zu erklären, um wen es sich jeweils handelt.
Wir haben in Oldenburg zahlreiche problematische Straßennahmen, die wir nicht alle umbenennen können, da es nicht darum gehen kann, Geschichte unsichtbar zu machen. Umbenannt werden müssen alle Straßen, die nach Menschen benannt sind, die Nazis waren. Bei anderen Straßen mit problematischen Namensgebern sollte mit kritischen Informationstafeln erklärt werden, um wen es sich handelt, wie die Straßenbenennung historisch zustande gekommen ist und worin dabei die Problematik liegt.
Jonas Christopher Höpken
Ratsherr Die Linke.Oldenburg
Kandidat für das Amt des Oberbürgermeisters in der Stadt Oldenburg