Identitätspolitik verschwimmt mit identitäter Politik

Leserbrief zum Artikel „Kein Auftritt mit Dreadlocks bei Demo“ (NWZ vom 24.03.2022)
Die Weltsicht, die hinter der Ausladung von Ronja Maltzahn wegen ihrer Dreadlocks steht,  ist von erschreckend reaktionärer Schlichtheit: Deutsche, ihr müsst deutsch aussehen! Nehmt nichts von anderen Kulturen an und vermischt euch nicht mit ihnen! Bitte daher auch ausladen: Deutsche Männer, die statt germanischer Latzhosen lieber Jeans anziehen. Westeuropäische Frauen, die statt langer Haare und langer Röcke Kurzhaarschnitte und Hosen tragen. Türkinnen, die ihr Haar blond färben. Schwedinnen, die ihr Haar rot färben. Algerier, die Schweinfleisch essen. Niedersachsen, die statt Volksmusik Rock und Pop lieben. Deutsche Männer ohne blaue Augen, blonde Haare und Schnurrbärte. Was für eine unsympathische Weltanschauung der gegenseitigen kulturellen Abgrenzung! Was für ein skrupelloser Angriff auf kulturelle Vielfalt! Identitätspolitik berührt sich hier auf schlimme Art und Weise mit identitärer Politik. Was für eine antiaufklärerische Ökonazidorf-Logik!